Aitrach stellt sich vor

Hier lässt sich’s leben

Aitrach ist eine lebendige Gemeinde mit spannender Geschichte, traditionellem Handwerk und moderner Industrie.

Um sich in einer Gemeinde wohl zu fühlen, braucht es ein „Wir-Gefühl“ und das nötige Umfeld. In Aitrach, Mooshausen und Treherz sorgen 20 Vereine, drei Katholische und eine Evangelische Kirchengemeinde sowie eine Neuapostolische Kirche für ein reges Gemeindeleben. Und um sich am Rande des Landkreises, direkt an den weiß-blauen Grenzpfählen und im Sog eines Oberzentrums behaupten zu können, muss man den Feldern „Arbeiten und Wohnen“ und „Infrastruktur“ höchste Dringlichkeit zuerkennen.

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Geschichte der Gemeinde Aitrach

Luftaufnahme Gemeinde Aitrach
Luftaufnahme Gemeinde Aitrach

Ob schon in früheren Tagen hier Menschen gelebt haben ist ungewiss, aber dass sich im Ortsgebiet von Aitrach um 400 v. Chr. die Kelten angesiedelt haben, davon zeugen  nicht nur die Keltenschanzen und die Fliehburg in unserer Gegend, sondern auch die Funde in Iller und Aitrach. Die Ausgrabungen einiger Keltengräber im Jahre 1905 brachten viele Grabbeigaben aus den Hügelgräbern zutage.

Die erste geschichtliche Aufzeichnung von Aitrach stammt aus dem Jahre 838 und geht aus einer Urkunde hervor, die im Kloster St. Gallen aufbewahrt wird. Darin taucht erstmals der Name „Eitraha“ auf, und es geht darin um ein Tauschgeschäft zwischen dem Abt Tatto aus dem Kloster Kempten und dem Grafen Wanning.

Die Gemeinde Aitrach, die im nördlichen Bereich bei Mooshausen die Kreisgrenze vom Kreis Ravensburg bildet und gegen Osten durch die Iller von Bayern abgegrenzt wird, war schon in früheren Jahren Grenzgebiet. Die Entstehung des Dorfes Aitrach ist zurückzuführen auf den Illerübergang. Dieser Illerübergang im Ortsteil Ferthofen war früher eine Furt und wurde schon von den Kelten und später von den Römern benutzt. Um diesen Übergang bewachen zu können, bauten die Römer auf einer Anhöhe über der Iller oberhalb von Aitrach einen Wachturm. An der Stelle, wo einst der römische Wachturm stand, bauten die Grafen von Marstetten (einem Ortsteil von Aitrach) im Auftrage ihres Lehenherren, des Klosters Kempten, im Jahre 1050 eine Burg. Als im 14. Jahrhundert die einzige Tochter des Grafen von Marstetten, Anna, den Herzog Friedrich von Bayern heiratete, erlosch die Grafschaft Marstetten. Danach wurde die Burg an die Ritter von Königsegg-Aulendorf verkauft.

 

Burg Aitrach
Burg Aitrach

Im Jahre 1566 kaufte Reichserbtruchsess Jakob von Waldburg die Burg mit dem ganzen Umland für 100 000 Gulden. Die Burg wurde im 30-jährigen Krieg durch die Schweden niedergebrannt und kann heute noch als Ruine besichtigt werden.

Über den Illerübergang bei Aitrach wurde im 11. Jahrhundert die erste Brücke gebaut. Dieser wichtige Übergang war die Verbindungsstraße von Augsburg oder München Richtung Bodensee bis in die Schweiz oder in den Schwarzwald und weiter nach Frankreich. Diese Brücke war eine große Zolleinnahmequelle für die Burgherren. Die mit Salz beladenen Pferdewagen, die bis von Reichenhall kamen, mussten auf dem Hinweg und auf dem Rückweg, wo sie meist mit Weinfässern beladen waren, beim Überfahren der Brücke hohen Zoll bezahlen. So konnten die Burgherren und mit ihnen das Kloster Kempten innerhalb von 20 Jahren eine Zolleinnahme von 93 500 Gulden einkassieren.

Zehntstadel
Zehntstadel

Unterhalb der Burgruine steht noch heute das älteste und noch im Originalzustand befindliche Gebäude von Aitrach, der Zehntstadel. Erbaut im Jahre 1511, ist der Zehntstadel ein Fachwerkhaus, dessen Gebälk nur mit Zapfen und Holznägeln zusammengebaut und damit eine Meisterleistung der Zimmermannskunst ist. Dieses Gebäude überstand auch den 30-jährigen Krieg unbeschadet. Man vermutet, dass damals die Schweden das Gebäude als Verpflegungslager für die Soldaten und Pferde nutzten und es deshalb verschonten.

Um die Burg herum wuchs nach und nach auch das Dorf Aitrach. Dort siedelten sich verschiedene Handwerker an, die durch die Burgherren und den Handel ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Haupteinnahmequelle war neben der Landwirtschaft der Holzhandel und die Illerflößerei. So war jeder zweite männliche Bürger Flößer.

Der 30-jährige Krieg und auch die Pest brachte viel Not und Elend über das Dorf. Mit 124 Pesttoten war das Dorf nahezu ausgestorben. Es erholte sich erst wieder um 1678, als man mit dem Aufbau einzelner Höfe begann. Der eigentliche Aufschwung des Dorfes Aitrach begann etwa 1850. Damals gab es schon 61 Handwerker, 17 Kleinhändler, fünf Mühlen, sechs Handlungen, neun Wirtschaften und fünf Getränkefabriken.

Der Strukturwandel vom armen Flößer- und Bauerndorf zu einer Gemeinde, die maßgeblich von Handwerk und Industrie geprägt wird, schritt besonders nach dem 2. Weltkrieg rasch voran. Es entstanden weitere Industriebetriebe, darunter einige Kieswerke, die auch Betonfertigteile herstellten und der Bevölkerung von Aitrach zahlreiche Arbeitsplätze brachten.

Bei der Gemeindesanierung der letzten Jahre sind einige Firmen aus dem Dorf ausgesiedelt worden und bilden nun mit anderen Fabriken das Industriegebiet in Ferthofen. Auch das Handwerk ist in Aitrach gut vertreten und zeigt einen gesunden Mittelstand, seine Produkte und Angebote tragen auch zur hohen Lebens- und Wohnqualität in Aitrach bei.


Teilorte

Die Teilgemeinde Mooshausen hat größtenteils noch einen ländlichen Charakter. Hier wird noch von einigen Bauern die Landwirtschaft betrieben, aber die landwirtschaftliche Nutzung geht der allgemeinen Entwicklung entsprechend zurück. So ist im Laufe der Zeit aus diesem Dorf eine Pendlergemeinde geworden, wo die meisten als Pendler in der näheren oder weiteren Umgebung ihrer Arbeit nachgehen. 

Pfarrhaus Mooshausen

Das barocke Kirchlein und das alte Pfarrhaus von Mooshausen mit seiner daneben stehenden über 400 Jahren alten Linde zeigen, dass Mooshausen schon früher ein schönes Pfarrdorf war, wo es sich gemütlich leben ließ. Im ehemaligen alten Pfarrhaus befindet sich heute eine Gedenkstätte für Romano Guardini, Pfarrer Josef Weiger und Maria Elisabeth Stapp, es ist ein internationaler Treffpunkt für geistige und kulturelle Seminare.

Weitere Infos gibt es unter www.mooshausen.de.

Kirche Treherz

Die Teilgemeinde Treherz mit ihrer schönen großen Kirche und dem alten Kameralhof, der den Mittelpunkt der Gemeinde darstellt, ist eine kleine weit zerstreute Ortschaft. Die Hochebene besteht größtenteils aus Waldgebieten, aber man findet auch noch viele saftige Wiesen, auf denen gemütlich die Kühe und Pferde weiden. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Es wird noch viel Landwirtschaft betrieben, was die vielen, oft weit auseinander liegenden Höfe bezeugen.      


Attraktiver Wohnstandort

Bild 07
Ortsmitte 1959

Durch die Sanierung „Aitrach-Ortsmitte“ und die damit verbundene Innenentwicklung hat heute der Ortskern von Aitrach wieder an Attraktivität gewonnen. Mit großem Erfolg siedelte die Gemeinde in den letzten zehn Jahren Betriebe aus der Ortsmitte aus, leer stehende Bausubstanz – im Sanierungsgebiet befanden sich zwanzig leer stehende Gebäude – wurde wieder belebt oder beseitigt und Baulücken geschlossen.

Feuerwehrgebäude

Mit 108 neuen Wohneinheiten ist eine Verdichtung des Ortsbildes erreicht worden. Mit einem Förderrahmen von knapp 5 Mio. € wurden rund 25 Mio. € an gewerblichen, privaten und kommunalen Investitionen ausgelöst. Auch wenn die Landessanierungsmaßnahmen auslaufen kann sich durchaus sehen lassen, was in den vergangenen Jahren geschaffen wurde. So entstanden ein neues Rathaus, ein neues Feuerwehrhaus und ein neuer Bauhof. Auf einem ehemaligen Gewerbegrundstück wurde ein fünfgruppiger Kindergarten errichtet. 

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Aussegnungshalle

An dessen altem Standort konnte der Friedhof erweitert und eine Aussegnungshalle verwirklicht werden. Straßenumgestaltungen und ein völlig neu gestalteter Kirchplatz, sollen das Leben und Arbeiten in Aitrach attraktiv machen und zur Verschönerung des Ortsbildes beitragen. Der Schwerpunkt für die nächsten Jahre liegt in der Siedlungsentwicklung am Ortsrand und der Verbesserung der Freizeit- und Sportanlagen. In Aitrach ist „Auf dem Kapf“ ein neuer Sportplatz mit Skateanlage und Spielplatz entstanden.


Aitrach – ein guter Standort für Handwerk und Industrie

Ein wichtiger Standort für die Ansiedlung von Betrieben ist die Anbindung einer Gemeinde an das überörtliche Straßennetz. Was heute für Aitrach die Autobahn A 96 mit eigener Auffahrt ist, war früher die Furt durch die Iller oder etwas später – als wichtige Verbindung für die Postkutsche von Wien nach Paris – eine Brücke über die Iller. Am 2. November 1889 wurde die Eisenbahnlinie Memmingen-Leutkirch eröffnet. Dadurch erhielt Aitrach Anschluss an die Illertalbahn Kempten-Ulm und über Kißlegg Anschluss an die Strecken nach Lindau und Aulendorf. Um den Holzreichtum der Gegend ausnützen und wohl auch als Folge des Bahnanschlusses wurde 1900 in Aitrach-Marstetten mit dem Bau einer Papierfabrik begonnen. Bei diesem Unternehmen wurden damals zahlreiche Arbeitskräfte aus Italien eingesetzt, die später auch zum Kanalbau an der Aitrach und 1908 beim Bau der ersten Wasserversorgung gebraucht wurden. Mit 50 Beschäftigten zählte die Papierfabrik lange Zeit zu den größten Betrieben im Oberamt Leutkirch.

Ein Anfang zur Fortentwicklung industrieller Fertigung war gemacht. Ein anderer in Aitrach vorhandener Rohstoff, die großen Kies- und Sandvorkommen, führten bald zur Gründung von Fabrikationsanlagen, die heute noch vielen Aitrachern Arbeit bieten. Das Kies- und Betonwerk Marstetten, kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, übernahm 1924 die Deutsche Reichsbahn. Wurde anfangs hauptsächlich Kies, Sand, Schotter und Splitt gewonnen und aufbereitet, so entwickelte sich im Laufe der Zeit die Herstellung von Betonfertigwaren zum Hauptproduktionszweig. Heute stellt die Firma Marbeton, die sich inzwischen in privaten Händen befindet, vor allem Trafo- und Mobilfunkstationen sowie WC-Anlagen für Autobahnparkplätze her.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden auch weitere Industriebetriebe, die den Rohstoff Kies verarbeiten: Das Sand- und Kieswerk Aitrach, das Transportbetonwerk Aitrach und das Betonfertigteilwerk Mauthe. Es gibt aber auch andere Wirtschaftszweige, die der nach dem Zweiten Weltkrieg der rasch wachsenden Bevölkerung zahlreiche Arbeitsplätze boten. Als größere Betriebe sind zu nennen: die Firma Klaus, die Autoparksysteme herstellt, die Firma Petersen-Allpa, die täglich bis zu 6 Mio. Briefumschläge produziert, das Sauerstoffwerk Friedrichshafen, das in Aitrach eine große Abfüll- und Verteileranlage betreibt, und die Verzinkerei Wiegel, die hier eine Sieben-Meter-Anlage betreibt.

Zusammen mit den verschiedensten Handwerksbetrieben und kleinen Einzelhandelsgeschäften kann die Gemeinde derzeit 750 Arbeitsplätze am Ort anbieten. Das ist eine verhältnismäßig hohe Zahl, wenn man die Einwohnerzahl von rund 2.600 Einwohner berücksichtigt und weiß, dass – nach den neuesten Zahlen der Arbeitsagentur – in der Gemeinde insgesamt 908 Sozialversicherungsbeschäftigte wohnen. 

Das bedeutet, dass rein theoretisch nahezu 80 % der in Aitrach wohnenden Erwerbstätigen am Ort einen Arbeitsplatz finden könnten. In der Praxis pendeln jedoch rund 700 Aitracher in die umliegenden Städte und Gemeinden, vor allem nach Memmingen (360) und Leutkirch (132). Rund 500 auswärtige Erwerbspersonen fahren täglich nach Aitrach zur Arbeit. Die Gemeinde ist zuversichtlich, dass die Standortgunst an der A 96 weitere Betriebe zur Ansiedlung bewegt.

Der Fremdenverkehr hat in Aitrach nicht den Stellenwert, den er in den höher gelegenen Teilen des Allgäus besitzt. Aber ein Campingplatz und fünf Gasthäuser kümmern sich mit gutem Erfolg um auswärtige Gäste, die von den guten Wandermöglichkeiten in den ausgedehnten Waldungen und den Illerauen angetan sind.


Zahlen, Daten, Fakten (Stand 31.10.2016)

Einwohnerzahl:

  • 1.118 im Jahr 1871 
  • 1.299 im Jahr 1890 
  • 1.471 im Jahr 1910
  • 1.535 im Jahr 1939
  • 2.186 im Jahr 1961
  • 2.320 im Jahr 1970
  • 2.600 im Jahr 2002
  • 2.550 im Jahr 2008
  • 2.519 im Jahr 2012
  • 2.555 im Jahr 2014
  • 2.544 im Jahr 2015
  • 2.625 im Jahr 2016 

Fläche:

in ha: 3.020 - davon:

5,3 % Siedlungsfläche
4,4 % Verkehrsflächen
57,1 % Waldfläche
30 % Landwirtschaft
3,2 % Andere Nutzung

Höhenlage:

595 m ü. NN

Bauland:

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