Bericht über die Informationsveranstaltung zur Asylbewerberunterbringung

Die Gemeindeverwaltung hat am vergangenen Mittwoch zu einer Informationsveranstaltung zur Unterbringung von Asylbewerbern eingeladen, zu der ca. 50 Einwohner kamen. Die Verwaltung unter Beisein von Nathalie Schädler vom Landratsamt Ravensburg und der Sozialbetreuerin Elfriede Stindl informierte über die bisherige Unterbringung der Flüchtlinge, die aktuellen Flüchtlingszahlen und über die Arbeit des „Helferkreises Asyl“.

Herr Bürgermeister Kellenberger erinnerte daran, dass seit Mitte des Jahres erstmals seit der Jugoslawien-Krise in den 90’er-Jahren, wieder Asylbewerber in Aitrach seien. Derzeit befinden sich 28 Männer, überwiegend aus Gambia, im ehemaligen Hotel Garni und eine Familie aus Serbien in einer seitens der Gemeinde angemieteten Wohnung. Damals wurde von einer Flüchtlingszahl von ca. 200.000 ausgegangen. Die offiziellen Zahlen liegen aber bereits bei mittlerweile 800.000, jedoch könnten es auch schon über 1 Mio Flüchtlinge sein. Dies bedeute, dass die Gemeinde weitere Flüchtlinge zugewiesen bekomme. Die Landeserstaufnahmestellen seien überbelegt, der Landkreis belege seine eigenen Turnhallen und auch in den die Turnhallen der Städte und Gemeinden sind mittlerweile Flüchtlinge untergebracht. Die Unterbringung in Turnhallen wolle man vermeiden, was bisher in Aitrach auch gelingt. Die Gemeinde und der Landkreis bekommen stetig Angebote zum Kauf bzw. zur Miete, wobei oftmals auch die Kauf- bzw. Mietvorstellungen nicht realistisch sind. Der Landkreis habe nunmehr auch die ehemalige Tagespflege in der Hauptstraße angemietet, um dort bis zu 16 weitere Flüchtlinge unterzubringen. Die Gemeinde erhalte dabei manchmal den Vorwurf die Verhandlungen nicht im Vorfeld bekannt zu machen. Hierbei bitte er jedoch um Verständnis, da die Grunderwerbs- bzw. Mietverhandlungen private Interessen betreffen, die nicht öffentlich gemacht werden dürfen. 

Frau Schädler vom Landratsamt berichtete, dass bisher die meisten Asylsuchenden aus Gambia, derzeit aber eher aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kommen. Auch die Aufnahmeanzahl des Landkreises ist dramatisch angestiegen. Mussten im Mai 2015 noch 58 Flüchtlinge pro Monat aufgenommen werden, sind es jetzt 520. Hinsichtlich der Verteilung der Asylsuchenden gelte in der EU grundsätzlich die „Dublin-Verordnung“. Das bedeute, dass jeder dort Asyl beantragen muss, in wessen Land er in die EU eingereist sei. Dies werde faktisch jedoch nicht durchgeführt. Die Einreiseländer würden die Flüchtlinge weiterschicken. Innerhalb Deutschlands gelte der „Königsteiner Schlüssel“, das bedeute, Baden-Württemberg müsse 12,9% aufnehmen. In Baden-Württemberg und im Landkreis werde letztendlich nach Einwohnerzahlen weiterverteilt. So müsse der Landkreis wiederum 2,91% vom Land und die Gemeinde Aitrach letztlich 0,93% vom Landkreis aufnehmen. Hinsichtlich der Unterbringung sind die Stadt- und Landkreise für die vorläufige Unterbringung; i.d.R. bis zu 24 Monate bzw. sobald das Asylverfahren abgeschlossen ist, zuständig. Die Gemeinden sind für die Anschlussunterbringung zuständig. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer könnte der Landkreis und die Gemeinden die Aufgabe gar nicht stemmen. Frau Schädler sprach hierzu ihren besonderen Dank aus. Die schlichte Unterbringung sei die eine, wenn auch nicht immer einfache Aufgabe. Die Integration der Asylsuchenden durch die vielen ehrenamtlichen Helfer mit Sprachkursen, Freizeitaktivitäten und dgl. ist die noch viel größere Herausforderung.

Frau Stindl, die die hauptamtliche Sozialarbeit in Aitrach und Aichstetten leistet, berichtete über ihre bisherige Tätigkeit im Hotel Garni. Auch Sie betonte, mit 8,8 Stunden, die ihr für Aitrach wöchentlich zur Verfügung stünde, hätte sie ohne den Helferkreis das bisher erreichte nicht erzielen können. Von den derzeit 28 Asylsuchenden seien bereits 4 in einem Arbeitsverhältnis, 2 weitere würden gemeinnützige Arbeit im Bauhof leisten. 7 Weitere besuchen die Berufsvorbereitungsschule in Leutkirch, wiederum andere seien eifrig in den Sprachkursen des Helferkreises. Die Flüchtlinge würden sich in Aitrach sehr wohlfühlen. Ihnen sei auch bewusst, dass sie mit dem Hotel Garni eine gute Unterkunft haben.

Bezüglich der Unterbringung in der ehemaligen Tagespflege ergänzt Bürgermeister Kellenberger, müsse nach dem jetzigen Stand kein Bauantrag eingereicht werden. Es würden lediglich kleine Umbauarbeiten wie den Einbau einer weiteren Dusche, einer weiteren Küchenzeile sowie von Brandmeldern vorgenommen. Seitens des Helferkreises wäre gewünscht, dass ebenfalls wieder Gambier zugeteilt würden, dies würde die Integration mit den bereits in Aitrach wohnenden Asylbewerbern vereinfachen, dies könne aber nicht garantiert werden. Ihn freue auch, dass seitens der Anwohner keine Klagen an ihn herangetragen werden. So äußerte ein Anwohner, dass es sehr ruhig sei.

Ebenfalls lobte der Helferkreis die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Etwas einfacher könnte die Vernetzung der einzelnen Stellen im Landratsamt funktionieren. Ein weiterer ehrenamtlicher Helfer wünschte sich, dass mehr Einheimische auf die Asylsuchenden zugehen und einfach ein Gespräch führen. Dies würde die Hemmschwelle nehmen und die Integration mit nur ein bisschen Zeit und einem Gespräch erleichtern. Zeit hierfür war auch bei dem „infomütlichen“ Beisammensein des Helferkreises und den Mitbürgern aus Gambia.

Zurück