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Nachdem Carla Mayer beim Bürgerempfang die Bürgermedaille erhielt (wir berichten), schilderte sie in ihrer Dankesrede ihre hörenswerte Lebensgeschichte, die sie beruflich als Reiseleiterin 40 Jahre in die große weite Welt führte, aber auch ihre zahlreichen ehrenamtlich Tätigkeiten in verschiedenen Institutionen gehört zu ihrer Vita, einigen anwesenden Weggefährtinnen sprach sie persönlich in ihrer Dankesrede an.
Zu denen, die schulisch und beruflich auch etliche Jahre in der Welt, mit Schwerpunkt in Indien herumkamen, gehört auch die Aitracherin Carina Miorin. Im Rahmen der Reihe „Aitracher Kind“ war Carina Miorin beim Bürgerabend in ihrer Heimatgemeinde zu Gast, um über ihren außergewöhnlichen Lebensweg, der sie vom Allgäu bis nach Südindien führte, zu berichten. Immer wieder waren es Aitracher Kinder, die einen etwas anderen Lebensweg gegangen sind, die aber immer wieder Verbindungen zu ihrem Heimatort pflegen, und die in den vergangenen Jahren bei den Bürgerempfängen von Carla Mayer interviewt wurden. Dazu gehörte ein sehr erfolgreicher Sportler sowie Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Couleur und beim letztjährigen Empfang hatten zwei Sterneköche einen Auftritt in der Aitracher Festhalle. Wie sie ihr Lebensweg von ihrem beschaulichen Geburtsort Aitrach über viele, teilweise jahrelange Aufenthalte in anderen Kontinenten und danach zurück ins Allgäu gestaltete, erzählte Carina Miorin in einem beeindruckenden Interview mit Carla Mayer vor großem Publikum. Carla Mayer ist keine, die ihre Interviewpartner, in die Pfanne haut, vielmehr reflektieren diese die emphatische Sprachführung der Moderatorin. Die gleich am Anfang von Carina Miorin wissen wollte, was denn dieser senkrechte Strich auf ihrer Stirn für eine Bedeutung habe. Das Bindi sei ein Zeichen indischer Kultur, es werde als Segenszeichen auf die Stirn aufgetragen, um Kraft zu spenden und das „dritte Auge“ zu schützen, ein Energiezentrum für Intuition, klärte Miorin auf. Womit man bei dem Thema war, das einen Großteil ihrer Lebensgeschichte prägte. Denn dort verbrachte sie viele Jahre, um Ayurvedische Medizin zu studieren. Fünfeinhalb Jahre studierte sie in Kerala, danach folgte ein praktisches Jahr an verschiedenen Krankenhäusern. Danach kehrte sie nach Deutschland zurück, wohl wissend, dass ihr Abschluss in Deutschland nicht anerkannt werde. Damit sie dennoch die Möglichkeit schuf hier medizinisch zu wirken, absolvierte sie ein Fernstudium als Heilpraktikerin, es folgten Beschäftigungen als ayurvedische Gesundheits- und Ernährungsberaterin und als Dozentin an verschiedenen Einrichtungen.
Zuvor sah ihr Lebenslauf mit Grundschule Aitrach, Marianum Buxheim noch "ganz normal" aus, wie Mayer feststellte, ein Schuljahr in den USA führte sie nach Salt Lake City zu den Mormonen. Zurück im Heimatland bestand sie ihr Abitur in Wangen, es folgte ein Freiwilligendienst in Indien, bei dem sie sie das Land kennen und lieben lernte. Dies habe ihr eine ganz andere Welt erschlossen, so Miorin, deshalb habe sie sich entschlossen in Hamburg Ethnologie und Indologie zu studieren. Nach zwei Jahren fasste sie die klare Entscheidung zur Rückkehr nach Indien, um Ayurvedische Medizin zu studieren.
Der Start ins Studium sei schon eine große Herausforderung gewesen, zumal "ich die einzige Europäerin an der Hochschule war, aber ich war von Anfang an von diesem Land begeistert", und was die Sprachkenntnisse anging aber ein bisschen blauäugig. Ich dachte, "da wird selbstverständlich Englisch gesprochen. Allerdings konnte ich bei meinem ersten Indien Aufenthalt in Waisenhäusern Grundkenntnisse in Sanskrit und Hindi erwerben, was später ein großer Vorteil für mich sein sollte.“ Auf die Frage nach dem sozialen Leben und den Unterschieden zwischen Süd und Nord schildert sie positive Erfahrungen: Sie sei gut aufgenommen worden im Wohnheim und an Wochenenden vielfach zu Familienbesuchen eingeladen worden und vor Ort viel über Küche, Kultur, Landschaft und Klima erfahren. Auch zur Frage nach den Unterschieden des Studiums in Indien und dem Medizinstudium in Deutschland hatte sie Antworten. Das Grundstudium befasst sich bei beiden mit medizinischen Themen, danach erlernen die indischen Hochschüler Grundlagen der indischen Heilkunst. Dabei geht es unter anderem um die Herstellung von Medikamenten der Pflanzenkunde. Dazu muss jeder Student muss eine Sammlung getrockneter Pflanzen anlegen und diese dafür selbst pflücken, pressen und bestimmen. Traditionell stellt der Ayurveda-Arzt die pflanzliche und mineralische Arznei für seine Patienten selbst her.
Im Jahr 2017 kam der Entschluss zur Eröffnung einer eigenen Praxis im Allgäu, was dort genau angeboten werde schilderte sie zum Ende des Interviews. Ganz wichtig: "Ayurveda Ärzte operieren nicht" "Meine Patienten, suchen nach einem ganzheitlichen Ansatz für ihre Gesundheit, die auch die Verbundenheit von Körper und Geist beinhaltet. Dazu gehören auch entsprechende Ernährung, sowie körperliche Anwendungen wie Massagen. Aber auch Yoga-Elemente und der südindischen Kampfkunst fließen mit in die Therapie ein. Ayurveda ist ein Weg mit einer entsprechenden Lebensweise, die viel Geduld und Eigeninitiative erfordert", so Carina Miorin.
Text/Foto: Olaf Schulze
